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Samstag, 30. August 2014

Die weiße Stadt Putbus - Abschied von Rügen

Klassizistisches Gebäude am Circus in Putbus

Das beschauliche Rosenstädtchen Putbus auf Rügen ist eine einzigartige Perle der klassizistischen Architektur und daher unbedingt einen Besuch wert.
Im Jahr 1810 ließ Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus seinen Heimatort so umbauen, dass alle Gebäude zu seinem großzügigen Schloss und dem riesigen Schlosspark passten. Die weißen klassizistischen Gebäude mit den wunderbaren Rosenstöcken davor stehen heute unter Denkmalschutz - das Ensemble ist wegen seiner Geschlossenheit eins der bedeutendsten in ganz Europa.
Der Mittelpunkt der Anlage, das Schloss des Fürsten, wurde in den sechziger Jahren abgerissen.
Nur noch die Reste der Seeterrasse des Schlosses sind heute zu sehen - das Ganze umgeben von einer grandiosen Parkanlage, in der sich auch ein sehr großzügiges und naturbelassenes Wildgehege befindet.
Ein Nachkomme dieses Fürsten, Malte zu Putbus, geriet nach kurzer Zeit des Einvernehmens in einen Konflikt mit den Nationalsozialisten, die ihn unter Druck setzten, sein Land zwischen Mukran und Binz abzugeben, damit dort das "KdF Seebad Prora" errichtet werden konnte, ein gigantisches Naziprojekt, in dem 20000 Menschen gleichzeitig Urlaub machen sollten. Proras kolossale Ruinen verschandeln heute noch grau und brutalistisch die Gegend, obgleich man heute auf Rügen versucht, daraus Nutzen zu ziehen, indem man die Blöcke zu teuren Immobilien umbauen lässt. Auch das NVA-Museum und die Jugendherberge finden sich dort. Zu DDR-Zeiten war der Koloss von Prora militärisches Sperrgebiet.
Malte zu Putbus jedenfalls war nicht so folgsam, wie die Herren Nationalsozialisten sich das vorstellten und wurde kurzerhand inhaftiert, nachdem er mehrfach scharfe Kritik am System geäussert hatte. Führende Offiziere des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gehörten zu seinen Freunden und gingen in seinem Jagdschloss ein und aus. Malte starb am 10. Februar 1945 im KZ Sachsenhausen unter dubiosen Umständen - es ist davon auszugehen, dass er ermordet wurde.

Vorderansicht des Schloss Putbus Mitte des 19. Jahrhunderts, Sammlung Duncker; Quelle: wikipedia
Im Vorbeifahren fotografiere ich eine Perle nach der anderen am Circus von Putbus
Rosenstöcke schmücken die weißen Prachtbauten in Putbus
Das Theater der Stadt Putbus - auch ein Teil des Ensembles
Die Schlosskirche im klassizistischen Stil




Das Wildgehege war besonderer Anziehungspunkt für unsere Kinder. Lange standen sie davor und zählten die Enden der Hirschgeweihe. Der Fünfzehnender war das Alpha-Tier, beschlossen sie. Der jüngere Zehnender hatte sich bei der Fütterung durch Besucher des Parks hinten anzustellen.






Nach einer Runde durch den Park mit einer kunsthistorisch schwer begeisterten, dozierenden Mutter, kamen die Kinder und der Ritter etwas erschöpft am Puppenmuseum an. Dort fiel ihnen gleich der Sinnspruch der Pappkellnerin ins Auge:


Um aber die Runde vom Marktplatz bis zum Circus zu vervollständigen, mussten die erprobten Wanderer weiter laufen - durch die Baumalleen des Parks bis zum Circus und von dort aus durch die denkmalgeschützten Bauten wieder zurück zum Theaterplatz. Eine streunende Katze wurde dabei ausgiebig gestreichelt und mit warmen Worten versorgt.






Dorothea, die tapfere Wanderin, hatte am Ende dieser Tour noch die Geduld, Rosenblätter zu sammeln: Für dich, Mami! 
Voller Eindrücke verliessen wir die Rosenstadt in Richtung des Fischerdorfes Lauterbach, um dort auf dem Räucherschiff Berta ein letztes Mal für dieses Mal leckere Fischbrötchen zu geniessen. 

Räucherschiff Berta
Kutter im Hafen des Fischerdorfs Lauterbach

Rügen, du hast uns einmal mehr bezaubert und glücklich gemacht. Vielen Dank für die Vielfalt und die Schönheit deiner Landschaften. Wir kommen sicher wieder! Auf Wiedersehen!

Donnerstag, 28. August 2014

Lohme und die Buchenwälder im Nationalpark Jasmund - Urlaub auf Rügen am fünften Tag.


Das Dörfchen Lohme, ein kleiner Ort an der Grenze zum Nationapark Jasmund, soll heute unser Ziel sein. Am Steinstrand wollen wir mit den Kindern besonders schöne Steine finden. Vielleicht einen besonderen Flint? Einen Hühnergott? Einen Bernstein? 
Der Abstieg hinunter zum Lohmer Hafen verzaubert uns bereits mit einem weiten Blick übers Meer bis nach Kap Arkona. Eine Reihe von Stufen führt uns vom Dorf hinunter am Café Niedlich vorbei bis zu den hölzernen Planken des kleinen Hafens. Stille. 





Am Steinstrand angekommen empfängt uns der imposante Schwanstein - der fünftgrößte Findling Rügens, den eine schreckliche Geschichte begleitet. Wir halten Andacht für die drei verlorenen Jungen und suchen nach interessanten Steinen. Dorothea findet Kreide. Clara findet Kreide. Alle finden nun Kreide - große und kleine Stücke. Wir sind an den Kreidefelsen angelangt. Unverkennbar. Die Suche nach dem nächsten Geocache führt uns schließlich einige Stufen am Steinstrand hinauf in die Kreidewand und damit unversehens in den Nationalpark Jasmund. Begeistert folgen wir dem Weg immer höher hinauf in den einmalig märchenhaften Buchenwald, der inzwischen zum Unesco-Weltkulturerbe gehört.




Lange Zeit wandern wir so durch den verwunschenen Wald. Immer wieder tun sich schwindelerregende Abgründe auf, Baumstämme liegen über dem Weg und mitten im Wald plätschert ein silbernes Quellbächlein lieblich zwischen den riesigen Findlingen, die im Waldboden festsitzen. 
Wir wandern bis zu dem ausgezeichnet schönen Ausblick Stubbenhörn, an dem ein Geocache versteckt ist. Nach dem Fund machen wir Rast, um Kraft für den Rückweg zu tanken. 
Wir schaffen es heute nicht mehr, noch weiter bis hinauf zum Königsstuhl zu wandern - unsere jüngsten Wanderer sind zwar sehr tapfer, aber wir wollen ihre Geduld nicht bis zum Letzten ausreizen. Insgesamt werden wir vier Stunden unterwegs gewesen sein. Eine fantastische Wanderung, die sicher keiner von uns jemals vergessen wird.





Mittwoch, 27. August 2014

Feine Dame ganz in Weiß - Seebrücke Ostseebad Sellin - Urlaub auf Rügen: Der vierte Tag.



Bei strahlendem Sonnenschein besuchen wir das Seebad Sellin und die berühmte Seebrücke, die 1906 ursprünglich als Landungsbrücke für Ostseedampfer gebaut wurde und nach einer stürmischen Vergangenheit seit 1998 wieder in ihrer ursprünglichen Gestalt erstrahlt - der Inbegriff der filigranen Bäderarchitektur der Ostseeküste. Wir wandern die 394 Meter hinaus bis aufs Meer zur Tauchgondel und lassen uns den starken Wind um die Nase wehen.


Auf dem Rückweg geniessen wir ein Eis im Restaurant der Brücke - man kann dort so wunderbar in der Sonne baden und dabei das Treiben am Strand beobachten. Das Eis ist sehr gut, die Bedienung nicht ganz so zuvorkommend, wie sie sein sollte, aber da wir ja Urlaub haben, sehen wir es gelassen.






Beim anschliessenden Bummel durch die Hauptstrasse von Sellin, in der sich ein Café und ein Lädchen ans andere reiht, ergattern wir eine Reihe Souvenirs. Ich kaufe ein besonders schönes Leintuch für die Küche, das sich sicher schön als Hintergrund für jedes Fischgericht machen wird. Sophie kauft eine Eulenkette und die Kleinen suchen sich Postkarten aus. 
Ein Schlenker noch über den Spielplatz mit der Riesenqualle, einem Klettergerüst, das die Kinder besonders begeistert - dann geht es wieder zurück Richtung Glowe, denn wir wollen schliesslich doch noch einmal richtig an unseren Strand.
Die Ruinen von Prora besichtigen wir nur im Vorbeifahren und auch den Sassnitzer Hafen lassen wir für heute unbesucht. Die Tage sind zu kurz und alle bedauern, dass wir nicht länger bleiben können.





Ausklang. Es ist sonnig und sehr windig am Glower Strand. Sophie und Clara trauen sich ins Wasser und sind nachher froh, in der Merle noch ins Pool und in die Sauna gehen zu können, um sich so richtig aufzuwärmen. Dorotheas Drachen macht sich plötzlich selbständig und fliegt alleine über den halben Strand, bis wir ihn wieder einfangen können. 
Das sind die wahren Aufregungen eines Tages an der Ostsee.
In der Villa Merle angekommen bereite ich eine einfach Kartoffelsuppe zu. Suppengemüse, Kartoffeln, Salz und Pfeffer, Muskat. Wienerlen.
Die Kinder sprechen über Ebola, eine Bärin namens Clara, über artgerechte Hühnerhaltung und über doppelten Eidotter. 
Ich gehe in die Sauna.

Dienstag, 26. August 2014

Der Kiefernwald der Schaabe und ein Sonnenuntergang im späten August - Urlaub auf Rügen - der dritte Tag.



Durch den lichten Kiefernwald der Schaabe führt ein federnder Waldweg zum weißen Sand am Meer. Es duftet nach Kiefernnadeln und Harz und die tanzenden Sonnenflecken bilden liebliche Muster auf dem weichen Waldboden. Noch hängen graue Regenwolken überm Meer, doch der Wind sorgt dafür, dass sie nach und nach landeinwärts verschwinden und es bleibt der strahlend blaue Himmel.


Wir legen einen Strandtag ein. Nach dem letzten sanften Regen an diesem Tag wird es immer wärmer und wir lassen unsere Drachen steigen. Die Kleinen bauen mit Wolf eine Sandburg, Sophie flitscht Steine und versucht herauszufinden, welche Fische das sind, die da so nahe beim Ufer in einem flinken Schwarm hin und her flitzen. Johannes langweilt sich ein wenig. Clara malt.





Strandtage machen Appetit. Zurück in der Villa Merle bereiten die Kinder Gnocchi mit Tomaten-Auberginen-Basilikum-Sauce zu. Ich entsteine eine Menge reifer Zwetschgen und backe einen Zwetschgenstreuselkuchen mit meiner hausgemachten Reineclaudenmarmelade. Sowohl einige der Streusel, als auch manche Zwetschgen verschwinden wie von Zauberhand aus meiner Schüssel. Aus den Augenwinkeln meine ich, kleine naschende Händchen zu erspähen. Der Duft der würzigen Gnocchisauce mischt sich bald mit der betörenden Süße des Hefekuchens. Wir halten ein Festmahl mit einem noch warmen Streuselkuchen - in der Sonne auf der Terrasse des Hauses.


Satt und gestärkt machen wir uns auf einen Abendspaziergang zum Glower Hafen und am Strand dem Sonnenuntergang entgegen. Am Hafen ankert ein Forschungsschiff. Klein-Jo findet einen schön geformten Flintstein. Die Glower Bucht liegt in sanftem Abendlicht vor uns. Eine Schar Möwen hockt auf den Buhnen und hofft möglicherweise noch auf einen saftigen Fang.



Es wird kühler, mich fröstelt, als die Sonne schließlich untergeht. Ich nehme Dorotheas kleine warme Hand und wir gehen heimwärts. Ein Feldhase erfreut die Kinder mit eleganten Sprüngen und Gemümmle an einem Grashalm. In der Dämmerung fühlt er sich sicher und lässt uns nahe herankommen. Auf der Promenade wandern die Spaziergänger - viele inzwischen auf der Suche nach einem guten Restaurant, um dort zu Abend zu essen. Die Großen eilen voraus, wir Eltern mit den Kleinen zockeln hinterher. Engelchen, Engelchen - flieeeg! Ich denke an meinen kranken Sohn.




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